Wohnmobil-Ausbau: Was brauche ich?
Das kleinste Wohnmobil hatte wohl eine Bekannte von mir. Sie schlief über eine Woche lang in einem kleinen Opel Corsa, Rückbank umgeklappt, auf Fehmarn. Hut ab, aber die Bezeichnung Womo passt wohl nicht so ganz ;-) Das krasse Gegenteil vom Corsa war dann in Leucate ein Rockwell, Preisklasse 150.000€ aufwärts. Auch hier würde ich eher den Begriff 'rollende Luxusvilla' gebrauchen. Ich denke, ich bin auf der sicheren Seite, wenn ich sage, dass der geneigte Leser dieses Artikels beide Varianten eher nicht in Erwägung zieht *g*.
Obige Beispiele verdeutlichen aber die Schwierigkeit der Entscheidung, vor der ihr steht. Was exakt ist ein Wohnmobil (mal von der Definition des TÜVs abgesehen)? Was muss es können, was muss drin sein, und vor allen Dingen, was wollt ihr ausgeben, und wo müssen Abstriche wegen des Budgets gemacht werden? Ich persönlich würde die Bezeichnug Womo für alles gebrauchen, wo ein Bett vorhanden ist - alles andere ist Luxus, der teuer erkauft werden muss. Ich liebe übrigens Luxus ;-)
Frage1: Nutzung
Fragt euch mal, wie häufig ihr das Womo als solches nutzen werdet. Geht es nur darum, mal an den Wochenenden rauszukommen und trocken zu bleiben, oder plant ihr dann auch, damit mehrwöchige Trips zu veranstalten? In ersterem Falle kommt man mit einem Kastenwagen der Klasse 'Opel Combo' oder 'Renault Traffic' locker aus - und billig davon. Bei Trips durch die Weltgeschichte sollte man schon mindestens in der 'MB Vito'-Klasse oder bei den 'Bullis' schauen (siehe Teil3: Welches Auto?), wenn man auf Minimalkomfort nicht verzichten will. Im folgenden gehe ich mal von der etwas größeren Variante aus.
Die zweite Frage bei der Nutzung ist, ob der Wagen alltagstauglich sein soll. Bei Wegen zur Arbeit oder zum Einkaufen ist ein Womo immer hinderlich, und dank der horrenden Spritpreise ist weniger (Gewicht/Größe) manchmal mehr (Ersparnis). Wenn der Wagen (ab 'Bulli'-Klasse) als einziges Fahrzeug alle Möglichkeiten abdecken soll, dann sollte er - wenn man nicht gerade einen Ersatz für das Fitness-Studio sucht - Servolenkung haben, insbesondere bei Fronttrieblern. Einparken in einer Seitenstraße ohne Servo... ich muss vorher immer die Jacke ausziehen, damit ich keine Schweißausbrüche bekomme :-), der nächste wird sicher eine haben!
Die Frage nach dem Hochdach ist Geschmackssache. Wer sich den Aufpreis und den (leicht) erhöhten Spritverbrauch leisten kann, sollte eines nehmen, Parkplätze ausserhalb des Parkhauses finden sich immer irgendwie. Dafür erkauft man sich aber den Luxus, auch bei Wind und Wetter den Neo aufrecht stehend ausziehen zu können, und bei längerem Aufenthalt im Wagen dank Regen kann man sich deutlich besser bewegen und bekommt nicht so schnell einen 'Buskoller'. Ein Klappdach bietet zwar die gleichen Vorteile, ist letztendlich aber nicht viel anders, als wenn man in einem Zelt schläft. Wer sein Equipment auf dem Dach transportiert, wird mit einem Klappdach auch Probleme bekommen, wenn es darum geht, das Teil hochzuwuchten und auch oben zu lassen. Ohne Extra-Dämpfer und Stützstreben kein wirkliches Vergnügen.
Frage2: Die Einrichtung
Laut Definition des TÜVs gehören zu einem SoKfz Wohnmobil ein festes Bett, eine Kochgelegenheit und eventuell ein Tisch. Diese Anforderungen sind regional unterschiedlich und sollten erfragt werden. Sollte man die Anforderungen nicht erfüllen, hilft es manchmal, den Wagen von einer Werkstatt anmelden zu lassen, da diese einen kleinen Bonus genießen.
Mal von diesen Bestimmungen abgesehen, was braucht ihr, um euch darin wohlzufühlen? Je höher eure Ansprüche, desto teurer der Ausbau. Ich schreibe extra 'Ausbau', denn man kann den Gesamtpreis dieses Unterfangens durch ein günstigeres Basismodell (älterer Wagen, mehr Kilometer auf der Uhr, Unfall etc) kompensieren.
Die einfachste Variante, die neben wenig Geld auch wenig handwerkliches Geschick voraussetzt, ist einfach bei einem schwedischen Möbelhaus ein Bett in Wagenbreite zu kaufen, dieses mit dem Boden zu verschrauben, und fertig ist das Wohnmobil (die Variante mit 'Matraze-auf-Boden' braucht wohl nicht extra erwähnt werden). Man kann unter dem Bett sogar noch Sachen verstauen. Wer auf die warme Mahlzeit nicht verzichten will, kann noch einen Campingkocher (die kleinen, mobilen Dinger) danebenstellen. Der nächste Schritt in der 'Aufwertung' des Womos ist dann, hinter Fahrer- oder Beifahrersitz einen fertigen Küchenblock mit Gas und Wasser (erhältlich bei jedem guten Womo-Ausstatter) zu installieren, und ggf. das Bett noch mit Scharnieren zum Wegklappen zu versehen. Damit habt ihr dann schon ein mächtig feines Wohnmobil, das euch bequem einige Wochen beherrbergen kann.
Wenn es dann richtig zur Sache gehen soll, kommen zu o.g. Dingen dann auch noch Schränke für Klamotten, Fressalien etc. Obwohl hier dann handwerkliches Geschick sicher nicht von Nachteil ist, solltet ihr euch um die Machbarkeit keinerlei Sorgen machen. In erster Linie soll das Womo euch beherrbergen, euch gefallen, und damit setzt dann niemand anders die Maßstäbe dafür als ihr selber. Wen interessiert schon eine schiefe Kante?! Wer vor dem Kauf schon an den Wiederverkaufswert wegen der Möbel denkt, sollte lieber gleich bei den fertigen Profi-Ausbauten schauen oder sich einen Hymer kaufen.
Damit man nach einem genialen Surftag vielleicht auch ein kaltes Bier genießen kann, kommt dann der Kühlschrank ins Spiel (es soll auch andere Gründe geben, habe ich gehört ;-). Über Wochenende reicht eine Kühlbox mit Akkus oder eine billige 12V-Box, bei längeren Trips oder im Hochsommer sind diese Möglichkeiten aber schnell fehl am Platz. Je nach dem, wie die Kochstelle aussieht, kann man (mit großem Aufwand wegen der Sicherheitsbestimmungen) einen Gaskühlschrank einbauen, der alternativ über 12V Bordnetz läuft, oder man wählt den bequemeren Weg und kauft sich eine 12V-Kompressorkühlbox. Obwohl der Wirkungsgrad (Verhältnis von aufgenommer Leistung = Strom zu abgegebener Leistung = Kühlung) bei der Kompressorbox besser ist, bedeutet dieses gleichzeitig die Notwendigkeit einer 2. Batterie (und ev. auch einer neuen Lichtmaschine mit höherer Leistung). Mit viel Geld in der Hinterhand könnte man auch über eine Solaranlage nachdenken, um nicht ständig zur Aufladung der Batterie rumfahren zu müssen - je nach Strombedarf alle 2...4 Tage.
Frage3: Wohin mit dem Equipment?
Neben diversen Möglichkeiten der Unterbringung aussen am Wagen (Dachträger, Dachbox, stabile Segeltaschen) solltet ihr überlegen, ob die Sachen im Womo nicht besser aufgehoben sind. Da die Einrichtung selber gebastelt wird, ist das ohne größeren Aufwand möglich, und ich muss gestehen, ich schlafe mit der Variante deutlich besser! Nebenbei sind die Sachen im '0,Nix' verschwunden, ohne großes Gezerre und Geklettere.
Die 'Spar-Lösung' zur Unterbringung ist eine Segelbox im Wagen. Wenn man mal vom Standard-Ausbau mit den Schränken entlang der Fahrerseite ausgeht, kann man den Schrank auf ganzer Länge in etwa halber Höhe (bei 60...90cm Gesamthöhe) teilen, und hat oben drüber noch genug Platz für Geschirr oder sonstiges. Meistens stört der Radkasten des Wagens etwas, aber in meiner Box bringe ich 6 Segel und diverse (teilbare!) Gabeln unter. Die Masten passen wegen der Länge der Ladefläche je nach Fahrzeugtyp häufig nicht, ich habe die Segelbox aber auch nur 2.15m lang gemacht, um vorne im Schrank Gas und Wasser unterzubringen.
Mit einem Hochdach gibt es zwei Lösungen: die eine wäre, die Segelbox gleich hinten an der Heckklappe oder -tür aufrecht in den Schrank einzubauen (Vorsicht bei großen Racesegeln: schaut vorher auf die Gabellänge!). Da die meisten Segelcover auf einer Seite offen (oder zu öffnen) sind, kann man die Segel auf einen Rost oder in eine Wanne stellen, damit sie ablaufen können, solltet ihr die Sachen nass einpacken - klarer Pluspunkt! Die weitaus elegantere Lösung allerdings ist der doppelte Boden. Wenn ihr Schränke einbauen wollt, müsst ihr zur Befestigung dieser sowieso eine stabile Bodenplatte einsetzen. Warum diese nicht einfach 20...40cm höher setzen, wenn das Hochdach genug Kopffreiheit bietet? So könnt ihr Segel, Masten, Gabeln (auch verschraubte) und sogar die Boards komplett verschwinden lassen. Bei letzteren wird es eventuell nötig, den hinteren Teil der Bodenplatte nochmal etwas höher einzubauen, damit Waveboards oder Boards mit viel Aufbiegung reinpassen (solltet ihr noch keines haben, denkt an die Zukunft!). Die 'Equipment-innen-Variante' bietet neben ½...1l weniger Verbrauch auch Diebstahlsicherheit. Mein nächster wird sowas auf jeden Fall haben!
Frage4: Welche Maschine?
Die Benzinpreise fressen uns die Haare vom Kopf! Die Ökosteuer ist dabei nur ein kleiner Teil, nichtsdestotrotz sind Trips mit dem Womo häufig ganz schön teuer, und im Ausland sieht es noch schlimmer aus! Da stellt sich dann die Frage nach der Maschine: will ich einen Diesel, einen Benziner, und wieviel Dampf sollte unter der Haube stecken?
Zu letzterer Frage zuerst: ein voll ausgebautes Womo, wohlmöglich noch mit Hochdach, bekommt man mit einer 55PS-Maschine eines alten VW T3s (alte Schule, ich weiß, es heißt kW) nicht von der Stelle. In der Ruhe liegt zwar die Kraft, heißt es, aber mir persönlich wäre das zuwenig. Minimum sind 75PS, besser irgendwas bei 100, nur drüber wird's dann zur Geldfrage.
Die Frage nach Diesel vs. Benziner ist abhängig von der geplanten Fahrleistung, und das ist nichts Womo-spezifisches. Beim Diesel sind die Steuern deutlich höher als beim Benziner, dafür sind beim Benziner die Spritpreise und der -verbrauch höher. Auch hier kann ich nur aus eigener Erfahrung sagen, dass ein Diesel irgendwie schlauer ist (ich habe einen Benziner ;-), da ein Womo bei 'normaler Benutzung' schon eine tausend Kilometer pro Jahr laufen wird. Es gibt auch Tricks, wie man einen Diesel mit günstigen Steuern bekommt (siehe auch Teil3), und zwar, indem er als LKW zugelassen wird (oder besser schon ist!). Nachteil ist die höhere Versicherungsprämie. Im Idealfall läuft er beim Finanzamt auf LKW, und bei der Versicherung als Womo! Es gibt Möglichkeiten, wie man das hinbekommt, aber die Aussagen darüber sind so unterschiedlich, dass ich da lieber nicht weiter drauf eingehen möchte. Ich könnte mich da in die Nesseln setzen, und lieber nix als falsch schreiben ;-) Selbst bei LKW-Versicherung fährt man unter dem Strich wahrscheinlich günstiger als mit einem Benziner, und mit 'normalen' Dieselsteuern und Womo-Zulassung auch. Je nach Geldbeutel kann man versuchen, ein etwas neueres Modell mit besserer Besteuerung (je nach EURO-Norm) zu kaufen.
Fazit:
So viele Möglichkeiten, da ist die Planung und Überlegung schon fast schwerer als der eigentliche Ausbau. Meine Empfehlung lautet: denkt drüber nach, was ihr mit dem Womo machen wollt, wie lange er laufen soll (Aufwand gegen Nutzen), und kauft dann irgendetwas in der 'Bulli'-Klasse ;-), zB einen T4, Sprinter, Ducato oder ähnliches. Diese Fahrzeuge haben das beste Verhältnis von Komfort zu Handling, sind alltagstauglich, relativ schnell und einfach auszubauen. Aber wie gesagt, dies ist nur eine Empfehlung, die Entscheidung liegt bei euch! Im nächsten Artikel geht's dann an den Kauf des Wagens...
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